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GOBS Naturfreunde im Dialog

mit der Bestsellerautorin Katja Diehl, einem Klimaaktivisten der letzten Generation und dem 1. Vorsitzenden des BUND Stade



50% der Jugendlichen in Deutschland fühlen sich einsam. Was hat das mit der Klimakatastrophe zu tun? Gar nicht so wenig, wie sich überraschenderweise herausstellt. Beides sind Themen, über die man nicht so leicht ins Gespräch kommt und beides sind Themen, bei denen es extrem wirksam ist, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Hinzu kommt, dass es in unserer Kultur eine Geschichte des „mehr“ gibt, die dazu führt, dass wir zwar mehr konsumieren, aber nicht unbedingt bessere Beziehungen zu anderen Menschen haben.

 

Zunächst einmal setzen sich die Jugendlichen mit den Ursachen der Klimakatastrophe auseinander. Wie bringen wir Menschen dazu, über das Thema zu sprechen? Natürlich, indem wir eine Netflix Serie auf den Markt bringen: Vier Freunde gehen zum Arzt.

 

Die Ausgangslage für die Serie im Hier und Jetzt ist düster: Der Erde geht es schlecht und ihre „Freunde“ Klimakatastrophe, Verschmutzung und Artensterben scheinen alles zu tun, um sich nicht mit der Situation auseinandersetzen zu müssen!

 

Wie gehen andere Menschen mit dem Thema Umweltschutz und Klimakatastrophe um?

Jetzt gilt es, die eigene Komfortzone zu verlassen und mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Menschen, über die wir teilweise schon eine sehr starke Meinung haben oder Menschen, die einen Lebensweg gewählt haben, den man für sich noch nie in Betracht gezogen hätte. Dies ruft bei den Jugendlichen starke Gefühle hervor. Dennoch stellen sie sich der Herausforderung und bereiten die Experteninterviews vor. Es werden Fragen gesammelt, Aufgaben verteilt und Abläufe eingeübt. Alles, während man schon super aufgeregt ist!

 

Unsere erste Gesprächspartnerin im Videocall ist die Bestsellerautorin und Mobilitätsexpertin Katja Diehl. Sie scheint sich Dinge vorstellen zu können, für die vielen Menschen Fantasie, Wunsch und Wille fehlen: Der ländliche Raum erschlossen vom öffentlichen Nahverkehr! Familien, die nur noch EIN Elektroauto benötigen, sich am Gartenzaun und auf öffentlichen Plätzen mit Senioren unterhalten und Kinder, die auf Spielstraßen spielen können. Dann sagt sie, eine autofreie, selbstbestimmte, gleichberechtigte Mobilität ohne fremde Hilfe sei ein Grundrecht für alle Menschen, mit Behinderungen oder ohne! Das heißt, dass alle Menschen – egal ob in der Stadt oder auf dem Land - auch ohne eigenes Auto zur Schule, zum Arzt oder zum Laden kommen können müssen. Wow.

 

Das zweite Gespräch im Videocall mit dem Aktivisten der letzten Generation erwarten wir aufgeregt. Ein junger Mensch sitzt uns gegenüber. Er erklärt uns, wie er durch seine Arbeit im Gesundheitswesen zunehmend erkannt hat, dass die Folgen der Klimakatastrophe eine ausreichende Versorgung der Menschen immer schwieriger macht. Das Gesundheitssystem wird den Herausforderungen nicht standhalten können. Er beruft sich auf wissenschaftliche Quellen, die seine Aussagen stützen. Auf die Frage, ob er Freunde verloren oder gewonnen hat durch den Aktivismus, antwortet er, er habe seine Handlungsfähigkeit durch den Aktivismus zurückgewonnen. Die Frage, wie man damit umgeht, dass man vielleicht als „Freak“ gesehen wird, als Umweltaktivist, beantwortet er mit der Überlegung, ob es nicht weit seltsamer wäre, alles ganz normal weiterzumachen, obwohl man wüsste, wie es um die Welt steht. Viele würden den Klimawandel immer noch als etwas denken, das in der Zukunft liegt, was aber nicht der Realität entspricht. Er empfiehlt den Jugendlichen unbedingt mit ihren Eltern über ihre Ängste zu sprechen und nicht damit allein zu bleiben.

Die Jugendlichen verstehen seine Beweggründe und positionieren sich zu den Methoden. Manche ärgern sich darüber, dass die Protestformen der letzten Generation Menschen eventuell gegen den Klimaschutz aufbringen würden.

 

Eine Schülerinnengruppe führte ein Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden des BUND Stade Heiner Baumgarten. Das Gespräch durften sie aufzeichnen und kann auf dem Padlet (https://padlet.com/acgrossag/freundschaft-naturfreunde-und-freundschaft-mit-der-natur-8n68hn4isr2h4w88) angehört werden. Besonders beeindruckend war für uns auch hier die zugewandte Haltung, die scheinbar kleinen Taten („Die Menschen rufen uns an, weil ein Baum gefällt wurde“) und die große Geduld, mit der hier Umweltschutz zur Lebensaufgabe wurde. Herr Baumgarten bedankte sich im Nachhinein noch für das angenehme Gespräch und lud uns nach Stade zum BUND ein. Für den WPK Umweltschule gibt es sicherlich viele Anknüpfungspunkte zur Zusammenarbeit.

 

Die Gespräche waren so spannend, weil die Jugendlichen sich auf die unterschiedlichen Gesprächspartner:innen eingelassen haben, super vorbereitet waren und sehr intensiv zugehört haben. Es ist so toll, dass unsere Gesprächspartner:innen sich die Zeit für diese Begegnung genommen haben!

 

Am dritten Tag berichteten die Jugendlichen, dass sie Freunden und Eltern von den Gesprächen erzählt hatten. Außerdem haben sich alle Gedanken darüber gemacht, in welchen Bereichen die Geschichte des „mehr“ unser Leben prägt. Wovon meinen wir immer „mehr“ zu brauchen? Schuhe, Geräte, Computerzubehör, Kleidung, ...

 

Kann unsere Serie „Vier Freunde gehen zum Arzt“ ein gutes Ende für alle nehmen?

Wäre natürlich extrem schade, wenn die Geschichte jetzt an dieser Stelle zu Ende wäre. Wie es weitergehen könnte, liegt jetzt bei Ihnen, liebes Publikum. (Stille. Blick ins Publikum)

 

 

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